Die E-Commerce-Landschaft verändert sich rasant. Immer häufiger sind es nicht mehr Menschen, die direkt vor dem Bildschirm sitzen und Produkte auswählen, sondern KI-Agenten, die im Auftrag dieser Kunden recherchieren und idealerweise auch Einkäufe tätigen. Diese Entwicklung, die von Experten als “Agentic Commerce” bezeichnet wird, birgt ein enormes Potenzial. Studien, beispielsweise von Morgan Stanley, prognostizieren, dass bis 2030 bereits 10 bis 20 Prozent des gesamten E-Commerce-Umsatzes in den USA durch solche Agenten generiert werden könnten – eine Summe zwischen 190 und 385 Milliarden US-Dollar.
Dieser Wandel stellt E-Commerce-Unternehmen vor neue Herausforderungen. Wie können sie sicherstellen, dass ihre Produkte auch von KI-Agenten gefunden, verstanden und letztendlich gekauft werden? Eine Antwort auf diese Frage liefert das Startup Azoma mit dem sogenannten Agentic Merchant Protocol (AMP). Dieses Protokoll wurde speziell für Händler mit hohem Warenvolumen entwickelt, darunter Lebensmittelmarken, Elektronikhersteller und Modelabels. Es soll ihnen eine Art „Marken-freundlichen“ Anker in einem Ökosystem bieten, das zunehmend von autonomen Käufern dominiert wird.
Der Ansatz ist dabei ebenso einleuchtend wie einfach: Anstatt des aktuellen Status quo, bei dem Händler ihre Produktinformationen auf verschiedene Plattformen und in unterschiedlichen Formaten verteilen müssen, bietet AMP einen standardisierten Weg, diese Informationen für KI-Agenten zugänglich zu machen. Aktuell müssen Händler ihre Produktinformationen oft für jede Plattform einzeln anpassen, was einen erheblichen Aufwand bedeutet. AMP hingegen ermöglicht es, die Daten einmalig in einem bestimmten Format bereitzustellen, das von verschiedenen KI-Agenten gelesen und verarbeitet werden kann.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Händler sparen Zeit und Ressourcen, da sie ihre Produktinformationen nicht mehr für jede Plattform einzeln optimieren müssen. Gleichzeitig erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Produkte von KI-Agenten gefunden und berücksichtigt werden. Dies ist besonders wichtig, da die Algorithmen der KI-Agenten oft anders funktionieren als die Suchmaschinen, die von menschlichen Nutzern verwendet werden.
AMP befindet sich noch in einem frühen Stadium, aber das Konzept hat bereits das Interesse einiger großer Unternehmen geweckt. Bekannte Namen wie L’Oréal, Unilever, Mars und Beiersdorf setzen bereits auf dieses System, um ihre Produkte für die Zukunft des E-Commerce zu rüsten. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Agentic Merchant Protocol weiterentwickeln wird und ob es sich als Standard in der Welt des KI-gesteuerten E-Commerce etablieren kann. Klar ist jedoch, dass sich E-Commerce-Unternehmen mit dieser Thematik auseinandersetzen müssen, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Die Zeit des Agentic Commerce hat begonnen und wer jetzt die Weichen richtig stellt, kann sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sichern.
E-Commerce: KI-Agenten als neue Kunden gewinnen
10.3.2026
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